Das Sinnreich der Erde (Erste Fassung)
Totentanz

 

1

 

Ein knöchern Spiel, gezählt, bevor bewußt,

und bis der Leib sich austut und will schürzen

den Arm der Mahlzeit und der Mund in Würzen

den Becher in sich gießt, schon in der Brust

 

entrollt zu weit, wer spannt den Blick der Lust

um Tod und Leben, der die Dauer kürzen,

die Kürze rettungslos in Dauer stürzen

will, neigezu gestürzt, und hier noch fußt?

 

Der umsieht, stürzt zur Freiheit wie zur Klippe,

der ganz sich einsetzt, Opfer liegt im Spiel,

sich selbst einholend, überholter Bote.

 

Zur Schädelstätte wirrt der Sinn Gerippe,

im Gang zur Menschheit hier verhängt im Ziel

vertauscht sich die Gewißheit mit dem Tode.

 

(6.1.1918)

 

2

 

Wo aller Drang geträumt und nichts geschieht,

die Knochen tönen, wo die Seele lodern

und frei sich opfern soll, die Werke modern,

bis selbst der Sinn prophetengleich entflieht,

 

da dunkelt in die Menschheit das Gemüt

und krankt und nährt mit seiner Hauche Stottern

noch Zeugschaft abgetan den kalten Dottern

und häuft den Keim von Welten im Geblüt.

 

Ist hier noch Wahrheit oder nur genarrt

vom Schein des Lebens zwischen Grimm und Milde

die Seele, die auch hier noch bildet ganz?

 

Was fängt noch stärker, als sie selber harrt,

die machtlos wesende im Sinngebilde

zum Kranze ihrem eignen Totentanz?

 

(28.1.1918)